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Klaviyo (E-Mail Marketing)

Klaviyo Flows: Welche 5 du zuerst aufsetzen musst (und in welcher Reihenfolge)

Hanno Fäßler ·

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2026

80 Prozent deines E-Mail-Umsatzes kommen aus fünf Flows. Nicht aus 30. Aus fünf.

Wenn du gerade Klaviyo aufsetzen willst oder dein bestehendes Setup neu denkst, hast du wahrscheinlich schon mehr als einen Vergleichsartikel gelesen. „30 Flows, die jeder Shop braucht.“ „Die ultimative Klaviyo-Strategie.“ „Verdopple deinen Umsatz mit E-Mail-Marketing in 14 Tagen.“

Die Listen sind nicht falsch. Sie sind nur unbrauchbar, wenn du entscheiden musst, wo du anfängst.

Aus über vier Jahren Klaviyo-Setups mit DACH-Shopify-Shops kann ich dir das mit Daten zeigen. Wenn du in den ersten 30 Tagen genau diese fünf Flows richtig aufsetzt, in der richtigen Reihenfolge, hast du den grössten Hebel ausgeschöpft. Alles andere ist Feinschliff.

Dieser Artikel zeigt dir welche fünf das sind, in welcher Reihenfolge sie kommen, welche realen Benchmarks du erwarten kannst, und wo die typischen Fehler liegen. Die Zahlen stammen anonymisiert aus fünf laufenden Klaviyo-Accounts, die wir bei Hanno Fäßler in der DACH-Region betreuen. AOVs zwischen 35 und 180 Euro, Branchen-Bandbreite von Sport/Hobby über Apparel bis FMCG.

Warum die Reihenfolge entscheidet

Die meisten Shops bauen Flows in der Reihenfolge, in der ihnen jemand davon erzählt hat. Der Klaviyo-Onboarding-Wizard schlägt eine Reihenfolge vor, das Klaviyo-Help-Center eine andere, der Freelance-Berater eine dritte. Alle drei sind okay. Optimal ist keine davon.

Die richtige Reihenfolge orientiert sich an drei Kriterien gleichzeitig:

  1. Revenue per Recipient (RPR). Wo holst du pro versendeter E-Mail am meisten Umsatz?
  2. Setup-Aufwand vs. Output. Welcher Flow ist mit überschaubarem Aufwand sofort produktiv?
  3. Abhängigkeit von Vorgängern. Manche Flows ergeben erst Sinn, wenn ein anderer existiert.

Nach diesen Kriterien lautet die Reihenfolge: Welcome Series, Abandoned Cart, Browse Abandonment, Post-Purchase, Win-Back. Genau so, in dieser Folge. Warum erkläre ich gleich bei jedem Flow.

Eine kurze Vorab-Warnung: Diese fünf Flows ersetzen keine Newsletter-Kampagnen. Sie sind das Fundament. Kampagnen kommen oben drauf, sobald die Flows laufen. Wer mit Kampagnen anfängt, ohne dass die Flows stehen, verbrennt seine besten Daten ohne Hebel.

Vor der Flow-Reihenfolge kommt die Shop-Reihenfolge

Ein kurzer Punkt vorab, weil er den häufigsten Setup-Fehler in DACH-Shops erklärt. Bevor du an die Mails gehst, denk darüber nach, in welcher Reihenfolge dein Kunde durch den Shop läuft und wann dein Newsletter-Popup ihn anschreit.

Wenn ein Popup mit 10 Prozent Rabatt sofort beim Seitenaufruf erscheint, meldet sich der Besucher an, kassiert den Rabatt, kauft. Klingt nach Erfolg, ist aber oft Margen-Kannibalisierung: Der Kunde hätte in vielen Fällen ohnehin gekauft, du verschenkst 10 Prozent auf eine Conversion, die sowieso gekommen wäre.

Die saubere Variante koppelt den Popup-Trigger an Verhalten statt an Page-Load: Exit-Intent, Scroll-Trigger auf einer Produktseite, Time-on-Page, Mehrfach-View. Das ist Verkaufspsychologie im wörtlichen Sinn, du löst eine echte Friktion statt einer künstlichen. Die Liste wird kleiner aber qualifizierter, der Revenue per Recipient steigt.

Flow 1: Welcome Series

Das Fundament. Ohne das skaliert nichts.

Die Welcome Series ist der Flow mit Abstand höchstem Revenue per Recipient. In unseren Accounts liegt die erste Welcome-Mail mit Rabatt bei einer Open Rate zwischen 65 und 84 Prozent, einer Click Rate zwischen 9 und 52 Prozent, und einem Revenue per Recipient zwischen 6 und 32 Euro. Das ist mehr, als die meisten Shops mit ihren bestperformenden Kampagnen erreichen. Und es passiert vollautomatisch, im Moment der höchsten Kaufabsicht: jemand hat sich gerade aktiv für deine Marke entschieden.

Auslöser-Bedingung: Eintrag in die Newsletter-Liste (über Popup, Footer-Formular, Checkout-Opt-in oder Lead-Magnet). Tipp: Verwende einen sauberen Trigger über „Subscribed to List“, nicht über einen Konsens-Flag. Damit fängst du auch nachträgliche Opt-ins sauber.

Beispiel-Sequenz (3 Mails über 7 Tage):

  1. Mail 1 (sofort): Willkommen, kurze Markenstory, Rabattcode, klare Produktempfehlung. Das ist der Geld-Magnet.
  2. Mail 2 (Tag 3): Reminder zum Rabattcode, Social Proof (Bewertungen, Testimonials), zweite Produktauswahl.
  3. Mail 3 (Tag 6, optional): Letzte Chance auf den Code, oder Übergang in Branding-Mail mit Bestseller-Empfehlung.

Was du erwarten kannst: In unseren Accounts macht die Welcome Series mit Rabatt 10 bis 25 Prozent vom gesamten Klaviyo-Revenue aus. Das ist mehr als alle anderen Flows zusammen, oft mehr als ein einzelner schwacher Newsletter-Monat.

Häufiger Fehler: Die Welcome Series ohne klares Conversion-Ziel aufsetzen. Wenn du keinen Rabattcode oder ein anderes konkretes Conversion-Element drin hast, machst du eine Branding-Sequenz, kein Revenue-Tool. Das ist eine bewusste Entscheidung, keine schlechte. Aber sei dir bewusst, dass du dann den Cash-Hebel nicht ziehst.

Quick Win: Wenn deine Welcome Series existiert aber stagniert, splittete eine Variante mit höherem Rabatt gegen den Standard. In einem unserer Accounts hat ein Sprung von 5% auf 10% Rabatt die Order Rate der Welcome-Mail von 5% auf 25% gehoben. RPR stieg von 1,50 auf 16 Euro. Das ist der Hebel von einer geänderten Zahl. Wichtig dabei: Dieser Effekt trägt nur, wenn der Trigger der Anmeldung sauber gesetzt ist (siehe Kapitel oben). Ein höherer Rabatt auf ein Sofort-Popup steigert vor allem die Anmelderate, nicht den profitablen Umsatz.

Flow 2: Abandoned Cart

Der Klassiker. Den fast jeder Shop hat. Den fast keiner richtig aufsetzt.

Auslöser-Bedingung: Produkt im Warenkorb, kein Kauf innerhalb von 60 Minuten. Die meisten Shops triggern zu früh oder zu spät. 30 Minuten ist oft zu aggressiv (der Kunde holt sich noch einen Kaffee), 4 Stunden ist zu spät (der Impuls ist weg). 60 bis 90 Minuten ist der Sweet Spot für die meisten DACH-Shops. Schau in deine Klaviyo-Daten, wie lange typische Käufer zwischen Cart-Add und Bestellabschluss brauchen, und setze den Trigger 30 Minuten nach diesem Median.

Beispiel-Sequenz (3 Mails über 48 Stunden):

  1. Mail 1 (60-90 Min): Erinnerung, Produktbild prominent, freundlicher Ton ohne Druck.
  2. Mail 2 (24h): Social Proof, Bewertungen zum Produkt, FAQ-Antworten zu typischen Bedenken.
  3. Mail 3 (48h): Last Chance mit Discount-Code (zwischen 5 und 10 Prozent). Das ist die Conversion-Mail.

Was du erwarten kannst:

MailOpen RateClick RateOrder RateRPR
Mail 133-51%5-15%2-11%2-7 EUR
Mail 214-43%4-12%1-4%1-4 EUR
Mail 3 (Last Chance)40-43%8-9%3-4%6-8 EUR

Die letzte Mail mit Discount Code performt oft genauso stark wie die erste. Das überrascht viele Shop-Betreiber, ist aber konsistent: Sobald ein konkretes Angebot dazukommt, kippt der Entscheidungs-Prozess.

Häufiger Fehler: Sofort mit Discount einsteigen. Wenn deine erste Abandoned-Cart-Mail schon einen Code enthält, trainierst du deine Kunden auf den Code. Wer einmal gemerkt hat, dass er nur warten muss, bricht den Cart in Zukunft öfter ab. Den Code immer erst in Mail 3 platzieren, nicht früher.

Quick Win: Wenn du SMS-Konsens hast, baue ein parallel laufendes SMS-Stop-Element ein. Zwischen Mail 1 und Mail 2 (also ca. 12 Stunden nach Abbruch) eine SMS mit einem Satz und einem Link. Die Open Rate liegt typisch bei 95+%, die Click Rates wachsen oft auf das zwei- bis dreifache deiner E-Mail-Werte.

Flow 3: Browse Abandonment

Der unterschätzte. Weil er anders zu lesen ist als die anderen.

Browse Abandonment triggert nicht auf Warenkorb-Hinzufügen, sondern auf Produktansicht ohne Folgeaktion. Heisst: jemand hat sich ein Produkt angeschaut, dann die Seite verlassen, ohne in den Warenkorb zu legen. Das ist eine ganz andere Intent-Stufe. Niedriger als Abandoned Cart, aber höher als ein zufälliger Newsletter-Empfänger.

Auslöser-Bedingung: Produktansicht, kein Cart-Add innerhalb von 1-4 Stunden, im Klaviyo-Profil. Achtung: Browse Abandonment funktioniert nur bei eingeloggten oder identifizierten Profilen. Das ist ein wesentlicher Constraint, den viele Setups ignorieren.

Beispiel-Sequenz (2 Mails über 24-48 Stunden):

  1. Mail 1 (3-6h): „Hast du das gesehen?“, Produktbild gross, Hinweis auf typische Fragen (Grösse, Material, Versand).
  2. Mail 2 (24-48h): Verwandte Produkte, Bestseller, Social Proof zum angeschauten Produkt.

Was du erwarten kannst: Open Rates zwischen 39 und 48 Prozent. Click Rates zwischen 8 und 18 Prozent, also überraschend hoch. Order Rates aber niedrig, zwischen 0 und 3 Prozent. RPR liegt bei 0 bis 3 Euro pro Mail.

Das wirkt zunächst unspannend. Aber: Browse Abandonment hat ein viel höheres Trigger-Volumen als Abandoned Cart. In einem unserer Accounts mit hohem PDP-Browsing-Anteil laufen pro Monat etwa 700 Browse-Mails bei nur 130 Cart-Mails. Auf das Gesamt-Revenue umgerechnet ist Browse Abandonment dort der dritt- bis viertstärkste Revenue-Generator, obwohl der RPR niedriger ist.

Häufiger Fehler: Browse Abandonment als reine Reminder-Mail aufzubauen. Die beste Browse-Mail ist nicht „Du hast das angeschaut“, sondern „Hier ist die Antwort auf die Frage, die dich vermutlich noch unsicher gemacht hat“. Antizipiere die Frage, beantworte sie. Das ist die Differenz zwischen 0,5 und 3 Euro RPR.

Quick Win: Verlinke in Browse Abandonment immer mindestens zwei verwandte Produkte. Damit fängst du den Fall ab, dass der ursprüngliche Artikel nicht der richtige war. In einem unserer Accounts hat das die Click Rate von 11 auf 17 Prozent gehoben.

Flow 4: Post-Purchase

Wo der zweite Kauf entsteht.

Post-Purchase ist der Flow mit der niedrigsten direkten Order Rate. Aber er ist der Flow, der den Customer Lifetime Value am stärksten beeinflusst. Wer Post-Purchase ignoriert, lässt 30-50 Prozent möglichen zweiten Umsatzes liegen.

Auslöser-Bedingung: Bestellung abgeschlossen. Achtung: nicht „Order Placed“, sondern „Order Fulfilled“ als Trigger nehmen, sonst landet die Thank-You-Mail vor der Versand-E-Mail von Shopify und verwirrt den Kunden.

Beispiel-Sequenz (3 Mails über 30 Tage):

  1. Mail 1 (sofort nach Versand): Danke, Branding-Statement, „Was dich jetzt erwartet“ mit Versanddetails und Pflege/Nutzungs-Hinweisen zum Produkt.
  2. Mail 2 (5-7 Tage nach Lieferung): Bewertungsanfrage, Cross-Selling zu komplementären Produkten, User-Generated-Content-Aufruf.
  3. Mail 3 (21-30 Tage): Replenishment-Reminder bei Verbrauchsprodukten, oder Loyalty-Programm-Einladung.

Was du erwarten kannst:

Empfänger-SegmentOpen RateRPR
New Customer Thank You64-70%0,10-0,90 EUR
Repeat Customer Thank You33-51%0,60-1,30 EUR

Die Order Rate liegt bei 0 bis 2 Prozent direkt, der Hebel ist aber später: Customer Lifetime Value. In einem unserer Accounts haben Empfänger der vollständigen Post-Purchase-Sequenz eine 38 Prozent höhere Wiederkaufsrate als Kunden ohne Post-Purchase-Flow.

Häufiger Fehler: Post-Purchase als Aufzählung von Versand-Updates aufzubauen. Versand-Updates kommen ohnehin automatisch von Shopify. Klaviyo Post-Purchase ist Markenpflege plus zweite Verkaufsanbahnung. Wer das nicht trennt, verschwendet beide Mails.

Quick Win: Splittete Post-Purchase nach New Customer und Repeat Customer. New Customer braucht Markenbildung und Bewertungsanfragen. Repeat Customer braucht Cross-Selling und ein VIP-Gefühl. Aus unseren Daten: Repeat Customers haben in der zweiten Post-Purchase-Mail eine 5x höhere Order Rate als New Customers. Die gleiche Mail an beide zu schicken, ist verschenktes Geld auf beiden Seiten.

Flow 5: Win-Back / Sunset

Die Liste ist nicht heilig.

Win-Back und Sunset sind technisch zwei verschiedene Flows mit ähnlichem Ziel: Inaktive Subscriber entweder reaktivieren oder sauber aus der Liste entfernen. Sunset ist der etwas härtere Bruder, der nach erfolglosem Reaktivierungs-Versuch das Unsubscribe automatisch setzt.

Auslöser-Bedingung: Subscriber, der seit 90 oder 180 Tagen keine Mail mehr geöffnet hat. Der genaue Zeitraum hängt von deiner Sendefrequenz ab: Wer einmal pro Woche sendet, kann 90 Tage als Inaktivitäts-Schwelle nehmen. Wer monatlich sendet, sollte mindestens 180 Tage warten.

Beispiel-Sequenz (3 Mails über 14 Tage):

  1. Mail 1: „Wir vermissen dich“, emotionaler Ton, dazu ein Re-Engagement-Angebot oder eine Frage.
  2. Mail 2: Bestseller-Highlight, was sich seit dem letzten Kontakt geändert hat.
  3. Mail 3 (optional, eigentlicher Sunset): „Möchtest du noch Mails bekommen?“, explizite Unsubscribe-Option.

Was du erwarten kannst: Sehr niedrige Werte. Open Rates zwischen 1 und 4 Prozent, Click Rates oft unter 2 Prozent, Revenue typischerweise null. Das ist nicht der Punkt.

Der Punkt ist Listenhygiene. Klaviyo bezahlt sich nach aktiver Profil-Anzahl. Wer 30 Prozent Karteileichen mitzieht, zahlt jeden Monat mehr als nötig. Ausserdem: Hohe Bounce Rates und niedrige Engagement-Werte ruinieren deine Sender-Reputation. Das schadet auch den gesunden Mails an aktive Subscriber.

Häufiger Fehler: Win-Back als gefühlsbetonte Branding-Mail aufsetzen, ohne automatische Unsubscribe-Aktion am Ende. Das ist der Unterschied zwischen Win-Back (versuchen) und Sunset (bereinigen). Beides braucht es, aber bewusst.

Quick Win: Verbinde Sunset mit einer Klaviyo-Segmentierungs-Logik, die „engaged 365 days“ als Master-Segment für alle Kampagnen nutzt. Das schützt deine Reputation und reduziert deine Klaviyo-Kosten.

Die Reihenfolge im Aufbau

Wenn du diese fünf Flows neu aufsetzen lässt, ist die optimale Build-Reihenfolge:

  1. Welcome Series in Woche 1. Das ist der Cash-Hebel und passt auf deine bestehende Liste sofort.
  2. Abandoned Cart in Woche 2. Trigger-Volumen reicht meistens schon ab dem ersten Tag.
  3. Browse Abandonment in Woche 2-3, sobald die Identifizierung über Klaviyo-Tracking sauber läuft.
  4. Post-Purchase in Woche 3. Du brauchst ein gewisses Bestellvolumen, damit du belastbar messen kannst.
  5. Win-Back/Sunset in Woche 4 oder später, sobald du genug inaktive Profile hast.

Diese Reihenfolge maximiert den Revenue, der bereits nach 30 Tagen messbar fliesst. Andere Reihenfolgen sind nicht falsch, aber langsamer im Cashflow.

Die drei häufigsten Fehler im Klaviyo-Setup

Über alle Accounts hinweg sehen wir drei Fehler immer wieder. Sie sind unabhängig vom Shop-System, unabhängig von der Branche, unabhängig von der Shop-Grösse.

Fehler 1: Keine saubere Segmentierung der Trigger-Bedingungen.

Wenn deine Abandoned-Cart-Mail jeden anschreibt, der je einen Cart-Add hatte, treffen sich deine Newsletter-Mails und deine Flow-Mails in der gleichen Inbox auf der gleichen Person. Das wirkt unprofessionell und drückt die Engagement-Rate. Konkrete Klaviyo-Bedingung im Flow-Trigger: „Has not Placed Order in the last 60 days“. Damit verhinderst du, dass Bestandskunden ein Cart-Reminder bekommen, kurz nachdem sie gerade gekauft haben.

Fehler 2: Keine A/B-Tests im Flow.

Klaviyo bietet das Splitting eingebaut, kostenlos, ohne Zusatzaufwand. Wer nicht laufend Betreff, Vorschautext und Hauptcall-to-Action testet, lässt zwischen 15 und 30 Prozent Performance liegen. Wie systematisches A/B-Testing im E-Commerce aussieht, haben wir hier dokumentiert.

Fehler 3: Die Welcome Series nicht an die Pop-up-Logik koppeln.

Wenn dein Pop-up einen anderen Rabattcode bewirbt als deine Welcome-Mail, brichst du das Vertrauen genau im Moment, in dem du es aufgebaut hast. Code, Bedingungen, Gültigkeit müssen identisch sein. Das prüft fast niemand und es kostet einstellige Prozent-Punkte an Welcome-Conversion.

Wohin sich Klaviyo entwickelt

Wer Klaviyo heute aufsetzt, sollte mit zwei Entwicklungs-Linien rechnen, die die nächsten 18 Monate prägen.

Erstens: Klaviyo erweitert seine Anbindungs-Bandbreite spürbar. SMS war der erste Schritt, WhatsApp und Push folgen, native Integrationen zu Plattformen wie Shopify werden immer tiefer. Was lange Spezialfall von Tools wie Manychat war (Conversational Commerce, dialog-basierte Sales-Flows), zieht in Klaviyo ein. Wer heute Klaviyo nutzt, hat einen guten Stand, wenn diese Funktionen in den nächsten 6-12 Monaten produktiv werden. Wer parallel auf Manychat setzt, sollte beobachten, ob sich das duale Setup noch lohnt oder ob Klaviyo das in der breiten DACH-Praxis ersetzbar macht.

Zweitens: AI Creation wird in Klaviyo zur Selbstverständlichkeit. Bereits heute kannst du Subject Lines und kurze Texte AI-gestützt erstellen, in Kürze auch komplette Mail-Designs. Spannend wird es, wenn die Konnektoren zwischen AI-Bildgenerierung, Layout-Tools und Klaviyo nahtlos zusammenspielen. Dann lassen sich markengerechte E-Mails ohne grossen gestalterischen Aufwand produzieren. Das ist kein Marketing-Versprechen, das sehen wir in den Beta-Features bereits.

Was bedeutet das praktisch? Wer heute Klaviyo aufsetzt, sollte zwei Dinge mitdenken: die Daten-Hygiene (saubere Tags, Custom Properties, Event-Tracking) und die Markenrichtlinien. Beides wird wichtiger, sobald AI-Generierung deine Mail-Inhalte mitschreibt. Die AI ist nur so gut wie das System, in dem sie operiert.

Wann eine Klaviyo Agentur sinnvoll ist

Klaviyo ist kein technisch komplexes Tool. Wer eingearbeitet ist, kann die fünf Flows selbst aufsetzen. Realistisch braucht das etwa 40-60 Stunden für ein sauberes Setup mit anständigen Templates und einem ersten Test-Zyklus.

Sinnvoll wird eine Agentur typischerweise in drei Situationen:

  1. Du machst über 30.000 Euro Monatsumsatz und der Opportunity-Cost der eigenen Einarbeitung wird grösser als die Agentur-Investition.
  2. Du hast eine Mehr-Sprachen-Logik (DE/EN/FR usw.). Multi-Language-Setups in Klaviyo sind ein eigenes Kapitel und werden in DIY-Setups regelmässig falsch aufgesetzt.
  3. Du willst SMS, WhatsApp und Conversational-Flows parallel laufen lassen. Dann lohnt sich Expertise, weil die Trigger-Architektur über Kanäle hinweg konsistent sein muss.

Wenn keine dieser drei Bedingungen zutrifft, setze die fünf Flows selbst auf. Halte dich an die Reihenfolge oben, schau die Daten nach 30 Tagen an, optimiere. Wenn du danach merkst, dass du den Hebel nicht voll ausschöpfst, ist eine Klaviyo Agentur der richtige nächste Schritt. Vorher nicht.

Häufige Fragen zu Klaviyo Flows

Welche Klaviyo Flows sollte ich als Erstes einrichten?

In dieser Reihenfolge: Welcome Series, Abandoned Cart, Browse Abandonment, Post-Purchase, Win-Back/Sunset. Welcome Series hat den höchsten Revenue per Recipient und ist der schnellste Cash-Hebel.

Wie viele Mails sollte eine Welcome Series enthalten?

Zwei bis drei Mails über sieben Tage. Die erste Mail (mit Rabattcode) ist der Revenue-Treiber, die zweite Mail dient als Reminder, die dritte ist optional und kann den Übergang in Branding-Inhalte herstellen oder aktiver cross-sellen.

Wann triggert eine Abandoned Cart Mail optimal?

60 bis 90 Minuten nach Cart-Add ohne abgeschlossenen Kauf. Frühere Trigger fangen Kunden mitten im Kaufprozess, spätere Trigger verlieren den Kaufimpuls. Die Last-Chance-Mail mit Discount Code kommt 48 Stunden nach Abbruch.

Was ist der Unterschied zwischen Abandoned Cart und Browse Abandonment?

Abandoned Cart triggert auf Produkt im Warenkorb ohne Kauf. Browse Abandonment triggert eine Stufe früher, bei Produktansicht ohne Cart-Add. Beide Flows brauchst du, aber sie sprechen unterschiedliche Intent-Stufen an.

Wie hoch sollte mein Klaviyo-Revenue-Anteil am Gesamtumsatz sein?

Bei sauber aufgesetzten Flows plus regelmässigen Kampagnen sehen wir 25 bis 40 Prozent des Gesamtumsatzes über Klaviyo. Liegt dein Anteil unter 15 Prozent, fehlen entweder Flows oder die Kampagnen-Kadenz ist zu niedrig.

Was kostet Klaviyo monatlich?

Klaviyo rechnet nach aktiven Profilen ab. Bis 250 Profile gratis, danach gestaffelt. Ein DACH-Shopify-Shop mit 5.000 bis 10.000 Profilen zahlt typischerweise zwischen 70 und 150 Euro pro Monat. Wer SMS dazu nimmt, zahlt extra pro Nachricht.

Kann ich Klaviyo durch eine günstigere Alternative ersetzen?

Technisch ja. Tools wie Omnisend oder Mailchimp können einen Grossteil der Flow-Logik abbilden. In der Praxis ist die Klaviyo-Shopify-Integration aber so tief, dass die Migration meist mehr kostet als die Einsparung bringt. Ausnahme: Shops unter 500 Newsletter-Profilen, ohne großen Willen zu wachsen; da reicht oft ein einfacheres Tool.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du noch keinen einzigen Klaviyo-Flow live hast: Setze diese Woche die Welcome Series auf. Eine Mail reicht für den Anfang, die wichtigste mit Rabattcode. Damit beginnst du Daten zu sammeln, die dir die nächsten Schritte zeigen.

Wenn du bereits Flows hast, aber unsicher bist, ob sie performen: Vergleiche deine Open Rate, Click Rate und Revenue per Recipient mit den Benchmarks oben. Liegt deine Welcome Series unter 8 Euro RPR, hast du einen klaren Hebel.

Wenn du das Setup professionell aufziehen willst, weil dein Shopify-Umsatz das hergibt, schreib mir. Ein 30-Minuten-Gespräch klärt schnell, ob ein Klaviyo-Setup mit Hanno Fäßler für dich Sinn macht oder ob du es mit den Benchmarks oben selbst angehen solltest. Beides ist okay, Hauptsache du startest jetzt.


Über den Autor: Hanno Fäßler ist Gründer und Geschäftsführer einer Shopify-Agentur in Dornbirn, Vorarlberg. Mit seinem Team und TÜV-zertifizierter Verkaufspsychologie als Fundament begleitet er ambitionierte DTC-Shops im DACH-Raum dabei, Umsatzplateaus zu durchbrechen und profitabel zu skalieren. Die im Artikel verwendeten Benchmark-Werte stammen anonymisiert aus laufenden Klaviyo-Setups quer durch verschiedene DACH-Verticals.

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