Falsche Metriken im Fokus
Conversion Rate allein ist eine schlechte North-Star-Metrik. Sie ignoriert den Average Order Value, sie ignoriert den Customer Lifetime Value, sie kann durch Discount-Mechaniken künstlich gehoben werden — auf Kosten der Marge. Wir arbeiten mit Revenue per User als zentraler Optimierungs-Metrik: Umsatz pro Besucher. Diese Metrik ist robust gegen Traffic-Schwankungen, gegen Kampagnen-Mix-Änderungen, und sie balanciert Conversion Rate gegen AOV automatisch aus. Mehr zur Methodik im Beitrag A/B Testing im E-Commerce: Revenue per User systematisch steigern.
Tests ohne statistische Aussagekraft
Die Hälfte aller A/B-Tests, die wir bei neuen Mandaten in der Audit-Phase finden, sind statistisch wertlos. Zu kleine Stichproben, zu kurze Laufzeiten, zu viele parallele Tests, die sich gegenseitig kontaminieren, fehlende Vorab-Definition der Erfolgsmetrik. Wenn ein Test nach 5 Tagen mit 200 Conversions pro Variante „98 % Confidence" zeigt, ist das meist Zufall, nicht Signal. Wir kalkulieren Stichprobengrößen vor Test-Start, halten Laufzeiten ein, und akzeptieren auch ergebnislose Tests als Erkenntnis.
Fehlende Hypothesen, fehlende Lerneffekte
Tests ohne klare Hypothese sind keine Tests, sondern Glücksspiel. Eine saubere Hypothese hat die Form: „Wenn wir X ändern, weil wir Y vermuten, erwarten wir eine Z%-Verbesserung in Metrik M." Ohne diese Struktur lernt das Team nichts aus einem Test — es weiß nur, dass „Variante B besser war", nicht warum. Lerneffekte sind aber das eigentliche Asset einer CRO-Disziplin: Was wir aus drei Monaten konsistenter Tests an Erkenntnissen gewinnen, ist mehr wert als die einzelnen Conversion-Steigerungen.
Optimierung am falschen Ende des Funnels
Der teuerste Fehler: Optimieren, wo die Reibung gar nicht ist. Wenn dein Drop-Off zwischen Produktseite und Warenkorb 70 % beträgt, dein Drop-Off im Checkout nur 30 %, dann hat eine Checkout-Optimierung deutlich weniger Hebel als eine Produktseiten-Optimierung. Klingt banal — passiert in der Praxis trotzdem ständig. Wir analysieren die Funnel-Drop-Offs vor jedem Optimierungs-Sprint und priorisieren nach Hebelgröße, nicht nach Begeisterung.